Donnerstag, 4. September 2008

Posse

Dienstag, 2. September 2008

Der TV-Untergang im Internet


Fernsehen spielt online fast keine Rolle. Wenige Blogger arbeiten sich am ehemaligen Leitmedium ab – einer aber mit viel Witz und exzessivem Aufwand. Ansonsten gilt TV online vielleicht einfach nicht mehr als kritikwürdig. (Foto: Milena Kreuziger)

Spiegel Online, 2. September 2008

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Freitag, 29. August 2008

Mikrofon-Verbot bei der Deutschen Welle

Hier muss noch etwas nachgetragen werden: nämlich diese Geschichte um die stellvertretende Redaktionsleiterin des chinesischen Programms der Deutschen Welle, Danhong Zhang, vom 20. August. Der Sender hat reagiert. Danhong Zhang darf vorerst nicht hinters Mikrofon, bis die Sache geklärt sei, was auch immer das nun wieder heißt.

Derweil heißt es im Kölner Stadt-Anzeiger:
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dieter Wiefelspütz erklärte laut „Berliner Zeitung“, die Leistungen dieser Journalistin „werden der Aufgabe der Deutschen Welle nicht gerecht“. Von beiden Redaktionen wurde als Beleg ein weiteres Zitat von Danhong Zhang geliefert. Demnach habe die KP „mehr als jede politische Kraft auf der Welt zur Verwirklichung des Artikels 3 der Erklärung der Menschenrechte beigetragen“. In diesem Artikel wird das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person gefordert. Ein Sprecher der Deutschen Welle weist darauf hin, die Kritiker hätten allerdings einen Halbsatz unterschlagen:
Danhong Zhang hatte ihrer provokanten Behauptung vorangeschickt, es sei China gelungen, 400 Millionen Menschen aus der Armut zu holen.

Sind die vielen Chinesen eigentlich rein zufällig in Armut geraten? Welche Partei hatte zu dem Zeitpunkt wohl das Sagen?

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Donnerstag, 17. Juli 2008

Landesmedienanstalten wollen Netz-Sendungen kontrollieren

Medien-Regulierung paradox: Wer online Livestreams anbietet, braucht bald eine klassische Rundfunklizenz, wie ein Fernsehsender. Bayern geht in zwei Wochen voran. Ist eine ins Netz gestreamte Vereinssitzung jetzt also TV? Kritiker warnen vor staatlicher Kontrollwut, Unternehmen wandern ab.
Spiegel Online, 16. Juli 2008

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Donnerstag, 10. Juli 2008

Gottes Stellverlegerin in der Zeit

Ab heute liegt Ausgabe 29/2008 der Wochenzeitung "Die Zeit" am Kiosk. Darin beschreibe ich auf Seite 5 das Echo, das die Verlegerin der "Nordsee-Zeitung" wegen des Rauswurfs des Kollegen Detlef Kolze beim "Sonntagsjournal" bekommt.

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Donnerstag, 3. Juli 2008

Depenbrock besiegt Redaktion

Die Klage der Berliner Zeitung gegen ihren Chefredakteur ist abgewiesen worden. Die Redaktion hatte in der Doppelfunktion Josef Depenbrocks als Chefredakteur und Geschäftsführer eine Verletzung des Redaktionsstatuts gesehen.

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Dienstag, 24. Juni 2008

Konträre Sicht

Zwei Gremien sehen einen Film. Der SWR-Rundfunkrat und die Landesmedienanstalt Rheinland- Pfalz (LMK) beurteilen das ARD-Feature „Quoten, Klicks und Kohle“ völlig unterschiedlich.

Kölner Stadt-Anzeiger, 24. Juni 2008

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Donnerstag, 19. Juni 2008

PR-Film mit Nachwirkungen

Was haben ARD und ZDF im Internet verloren? Sehr viel, befand eine SWR-Reportage, und verteidigte die Online-Expansion der Öffentlich-Rechtlichen - mit unlauteren Mitteln, wie Kritiker monierten. Jetzt befasst sich der zuständige Rundfunkrat mit dem umstrittenen Film.

Spiegel Online, 19. Juni 2008

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Montag, 16. Juni 2008

Weiter auf dem Propagandapfad

Das „Netzwerk Recherche“ ist als Schaltzentrale der ARD/ZDF-Kampagne heftig unter Beschuss geraten. Auf der Jahrestagung des Journalistenvereins in Hamburg wird über Aufgaben, Anforderungen und Selbstwahrnehmung der Branche diskutiert.

Kölner Stadt-Anzeiger, 16. Juni 2008

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Donnerstag, 12. Juni 2008

"Es geht um die Pressefreiheit" . . .

. . . meint der Mainzer Professor Hans Mathias Kepplinger. Der Leiter des Instituts für Publizistik der dortigen Universität stellt im Kölner Stadt-Anzeiger die Debatte um die Neufassung des Rundfunkstaatsvertrags vom Kopf auf die Füße.

Kölner Stadt-Anzeiger, 12. Juni 2008

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Freitag, 6. Juni 2008

Gottes Stellverlegerin . . .

. . . steht heute in der taz über meinem Text, der sich mit dem unfreiwilligen Abgang eines fähigen Kollegen bei einem Lokalblatt beschäftigt.
taz, 6. Juni 2008

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Mittwoch, 4. Juni 2008

Einfach mal locker bleiben!

Im Kölner Stadt-Anzeiger habe ich ein besonders skurriles Erlebnis mit dem SWR-Chefreporter Thomas Leif geschildert. Bitte hier entlang.

Kölner Stadt-Anzeiger, 31. Mai 2008

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Donnerstag, 20. Dezember 2007

Heimatlos im Netz

Internet-Unternehmen entwickeln unter Hochdruck lokale Dienste, doch die meisten Verleger regionaler Medien missachten die Gefahr: Ihre Webseiten hinken der Zeit chancenlos hinterher. Mit ihrem vermeintlichen Sparprogramm verschärfen sie die Krise ihrer eigenen Branche.
Spiegel Online, 19. Dezember 2007

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Sonntag, 4. November 2007

Hurra, wir haben die Redaktion verkauft

Verleger beschwören gern die Bedeutung der Tageszeitung für die Demokratie - und lagern derweil ihre Journalisten aus. Manchmal gleich zu PR-Agenturen VON B. HELLMERS & J.-P. HEIN

In Sonntagsreden beschwören Verleger gerne ihre Bedeutung als "vierte Gewalt" im Staate. Kein Satz ist zu hochtrabend, um sich selbst zur Verfassungsinstanz hochzujazzen: "Zeitungen stellen die Instanz dar, die informiert und aufklärt, somit eine Wächterfunktion jenseits der Säulen Legislative, Exekutive und Judikative ausübt und dadurch zur Stabilisierung und Entwicklung unserer Staatsform beiträgt." - Um die Bedeutung seiner Zeitungen zu beschwören, lässt auch Ulrich Hackmack, Vorstandschef der "Bremer Tageszeitungen AG" (Bretag), bei der Weser-Kurier und Bremer Nachrichten erscheinen, gerne das ganz große Orchester aufspielen.

Doch auch der Nachricht, soeben die dritte Lokalredaktion ausgegliedert zu haben, gewinnt man Positives ab: "Weser-Kurier übergibt Redaktionen in Brinkum und Syke an Pressedienst Nord", trompetete vor kurzem eine Sonderbeilage. Und meinte schlicht: Hurra, wir haben die Redaktion verkauft!

Das Stück "Ich gliedere meine Redaktion aus", das die Bretag seit 2006 aufführt, hat bei deutschen Verlagen das Zeug zum Kassenschlager: Der Dortmunder Verleger Lambert Lensing-Wolff (Ruhr Nachrichten) setzte Anfang dieses Jahres die Redaktion seiner Münsterschen Zeitung an die Luft - und ersetzte sie durch nicht nach Tarif entlohnte Nachfolger. Erstmals praktiziert wurde diese Sparvariante Ende der Neunzigerjahre bei der Koblenzer Rhein-Zeitung. Seitdem gibt es beim redaktionellen Outsourcing viele Variationen und eine Gemeinsamkeit: Berichtet wird, wenn überhaupt, von überregionalen Medien.

Die direkt betroffenen Leser erfahren in der Regel nie, was sich da hinter den Kulissen ihrer Regionalzeitung tut. Und die lokale Konkurrenz schweigt in der Regel über Vorgänge beim Nachbarn - und bei sich selbst erst recht. Eine Krähe hackt der anderen eben kein Auge aus: So berichten Redakteure, dass Verlagsleitungen sie angewiesen hätten, nicht mehr über mediale Leiharbeit zu berichten oder Meldungen über Proteste bei anderen Verlage zu unterschlagen.

Entsprechend leise ging auch eine andere Ausgliederung in der Nähe von Bremen über die Bühne: In Delmenhorst kann man über ein Zeitungshaus staunen, das ganz ohne Redaktion auskommt. Das Delmenhorster Kreisblatt bezieht seinen überregionalen Teil von Hackmacks Bretag. Für die Lokalseiten aber hatte das Kreisblatt vor zwei Jahren eine ganz besondere Tochter in die Welt gesetzt: Die PR-Firma "Rieck 24 News-Service". Deren Motto: "Wir bieten Unternehmenskommunikation nach Maß", man rühmt sich "allerbester Beziehungen zu den Medien im Nordwesten". Kein Wunder - schließlich produziert man neben PR ja den Lokalteil des Delmenhorster Kreisblatts mit. Und Kreisblatt-Chefredakteur Ralf Freitag ist in Personalunion Geschäftführer bei Rieck. Da kann die PR-Website Rieck24 (s. Bild) also wahrheitsgemäß mit dem "dichten Netz von Kontakten" werben: "Sozusagen auf Augenhöhe, von Chefredakteur zu Chefredakteur."

In Delmenhorst hatte auch die Bretag 2006 mit ihrem Outsourcing-Programm begonnen: Die Redaktion des dortigen Lokalteils ging in der"Pressedienst Nord GmbH" auf, die heute schon drei der acht Lokalausgaben von Weser-Kurier bzw. Bremer Nachrichten liefert. Bretag-Verleger Hackmack beschwört derweil weiter den Wert der Zeitung an sich: Sie fördere den Gemeinsinn, "und das ist der Stoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält", schreib der Verleger in seinem Grußwort zur jüngsten feierlichen Ausgliederung in Brinkum und Syke. Ziemlich verlassen wirken daneben die Ex-Lokalredakteure, die ihren Lesern in der Sonderbeilage ein letztes Mal als verdatterte Jubelauguste im Gruppenbild erscheinen. Eine Seite vorher lachen ihre jungen Nachfolger in die Kamera. Lokalaufmacher der ersten Woche mit der neuen Mannschaft: "Das Sams kommt nach Sudweyhe", "Syke, du liebliche Waldstadt" plus Urlaubstipps örtlicher Reisebüros.

"Bigotterie ist in Verlegerkreisen weit verbreitet", sagt Horst Röper, Chef des Dortmunder Formatt-Instituts, das sich seit langem mit den Entwicklungen auf dem Zeitungsmarkt beschäftigt. "Verleger entwickelten sich in den letzten Jahren immer mehr zu Kaufleuten." Die Rendite bewege sich mit durchschnittlich rund 20 Prozent immer noch in "traumhaften Gefilden". Doch der Appetit sei eben noch ein bisschen größer. Ob die neuen Spar-Redaktionen im Bremer Umland ein Resultat echter Not sind oder nur die Rendite sichern sollen, bleibt allerdings unklar.

Die Gewerkschaften haben immer wieder vergeblich versucht, Informationen zur wirtschaftlichen Situation der von den Verlegerfamilien Hackmack und Meyer kontrollierten Bretag zu bekommen. Doch der Vorzeigedemokrat Hackmack und seine Führungsriege schätzen Transparenz in eigener Sache weniger. Auf schriftliche Anfragen reagiert der Bremer Verleger schon gar nicht. Ebenso wenig sein Delmenhorster Pendant Frank Dallmann: Auch der möchte sich nicht dazu äußern, wie eine PR-Firma glaubwürdig Zeitung machen kann. Allerdings singt Dallmann anders als Hackmack auch nicht dauernd das Hohelied auf Verfassung und Verlage. Er hat ein weit pragmatischeres Verhältnis zu seinem Gewerbe: "Unserer publizistischen Verantwortung bewusst, werden auch bei der Erstellung des Delmenhorster Kreisblattes modernste Produktionsverfahren und Techniken eingesetzt", schrieb er im Sommer anlässlich eines Firmenjubiläums. Inhaltliche Fragen beschäftigen ihn offenbar schon gar nicht mehr.

taz, 5. November 2007

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Freitag, 26. Oktober 2007

Der fliegende Gerichtsstand

Kölner Stadt-Anzeiger, 24. Oktober 2007

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Montag, 15. Oktober 2007

"Kammer des Schreckens"

Journalisten fühlen sich von Urteilen eines Richters benachteiligt. Politiker und Historiker warnen vor Eingriffen in die Pressefreiheit.


Focus Nr. 41/2007

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Donnerstag, 11. Oktober 2007

Studio-Gottesdienst entfacht Rundfunk-Streit

Ein grünes Bürgerschaftsmitglied macht gegen eine Kirchenveranstaltung am Totensonntag im Funkhaus mobil. Hermann Kuhn sieht die Unabhängigkeit des Senders in Gefahr. Der umstrittene katholische Intendant Heinz Glässgen schweigt zu den Vorwürfen.

Das neue Funkhaus von Radio Bremen steht offenbar unter keinem guten Stern. Zwar ist alles neu, elegant und so modern, dass man sich in der kleinsten ARD-Anstalt als die Avantgarde des Senderverbunds fühlen kann, doch die erste „3nach9“-Sendung aus dem neuen Studio wurde zum akustischen Desaster. Störgeräusche überlagerten fast jeden Gast der Talkshow und auch die nach und nach ausgegebenen Handmikros knisterten und rauschten. Intendant Heinz Glässgen hat also Gründe, auf höheren Beistand zu hoffen. Da könnte ein Gottesdienst das Mittel der Wahl sein. Und am Totensonntag wird es im neuen Gemäuer so weit sein.

Damit setzt sich der Baden-Württemberger Glässgen im protestantischen Bremen, wo es ein eher pragmatisches als inniges Verhältnis zum Glauben gibt, in die Nesseln. Und deswegen gibt es Probleme: In Sachen Gottesdienst gehe es „im Kern um die Interpretation des Auftrags und des Selbstverständnisses von Radio Bremen“, schreibt der grüne Bürgerschaftsabgeordnete Hermann Kuhn in einem offenen Brief an Glässgen. Kuhn, der auch im Rundfunkrat des Senders sitzt, weiter: „Mit Ihrem Plan würde sich Radio Bremen nach meiner Auffassung von diesem Auftrag entfernen und seine Verantwortung für alle Menschen in unserem Land und das Gemeinwesen in seiner Gesamtheit verletzen.“ Der streitbare Abgeordnete glaubt, dass Glässgen die Unabhängigkeit des Senders riskiere. Starker Tobak auf den Glässgen nicht reagiert.

Der katholische Intendant, der Theologie studiert hat und bei der Kirche Leiter der Fachstelle Medien war, lässt aber klarstellen, dass es nicht sein Plan war, Priester und Pastoren ins Haus zu holen. Die Kirchen seien auf den Sender zugegangen und hätten vorgeschlagen, den Hörfunkgottesdienst im neuen Haus zu machen. Allerdings ist bei den Kirchen zu hören, dass schon in einer gemeinsamen Sitzung Radio Bremen „sehr zustimmend“ reagierte. Erst danach sei formal beim Sender angefragt worden.

„Das ist der ganz normale Hörfunkgottesdienst, den wir sowieso im Programm haben und der ausnahmsweise im Studio stattfindet, sagt Radio-Bremen-Sprecher Michael Glöckner. Von einer Einweihung oder gar Segnung, wie in Bremen jetzt spekuliert wird, könne keine Rede sein. Wie Parteien oder die Regierung hätten auch die Kirchen ihr Anrecht auf „Flächen im Programm“ so Glöckner. Im Sender selbst raunen andere bereits, dass Kuhns geharnischtes Schreiben fast schon Zensur darstelle, andere mokieren sich über den religiösen Eifer ihres Chefs. Glässgen ist ohnehin umstritten.

Für Kuhn ist klar, dass Glässgen mit dem Gottesdienst mehr verbindet als sein Sprecher jetzt durchlässt: „Das Rundfunkhaus hätte „im Kern einen christlichen Auftrag“, wenn es so weit käme, wie die Planungen derzeit vermuten ließen.

„Es ist eine feierliche Einweihung“, sagt Pastor Olaf Droste, der Rundfunkbeauftragte der evangelischen Kirche in Bremen. Und Hermann Haarmann, Sprecher des Bistums Osnabrück, ist sich nicht sicher, ob es nicht sogar eine Einsegnung der Räume gebe. Also doch eine sakrale Handlung und nicht einfach nur der normale Rundfunkgottesdienst an einem anderen Ort?

Bernd Graul ist Personalratsvorsitzender des Senders und ganz bei Kuhn: „Ich bin der Meinung, dass wir ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind und keine Kirche.“ Viele Mitarbeiter könnten die Entscheidung für den Gottesdienst nicht nachvollziehen. Auch Graul sieht die Unabhängigkeit des Senders gefährdet.

Die Welt, 12. Oktober 2007

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Dienstag, 9. Oktober 2007

Hysteriker und Skeptiker

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Wenn in Deutschland über Klimawandel diskutiert wird, führt kein Weg am PIK, so die Abkürzung, vorbei. Für die einen ist das Institut mit seinen wortgewaltigen Mitarbeitern die Stimme der Wahrheit unter Verharmlosern, Leugnern und Skeptikern. Die anderen halten es für einen Tempel der Hysterie, in dem die Apokalypse gepredigt wird. Nicht nur unter Forschern ist das PIK umstritten; kaum wegen der fachlichen Arbeit, sondern wegen der Öffentlichkeitsarbeit. Regelmäßig verstrickt sich mit Stefan Rahmstorf einer der wichtigsten Köpfe des Instituts in Scharmützel mit Journalisten. Die ganze Debatte würde dadurch beeinflusst, fürchten Fachleute.

Der Streit verdeckt eine zentrale Frage: Soll alle Kraft in die Senkung des CO2-Ausstoßes investiert werden oder in Anpassungsstrategien? Es geht um die Deutungshoheit in einer Debatte, deren Stellenwert mit der über Atomkraft, Zuwanderung oder Anti-Terror-Strategien verglichen werden kann. Soziologie-Professor Peter Weingart von der Universität Bielefeld ist aufmerksamer Beobachter. Er sieht zunächst eine normale öffentliche Auseinandersetzung: "Da sind Forscher, die den Wissenschaftskonsens des vom Menschen verursachten Klimawandels darstellen. Und da sind Journalisten, die das nicht nur transportieren möchten, sondern auch Gegenstimmen einholen." Die Klimaforschung wird bestimmt von Physikern wie Stefan Rahmstorf. Der Professor heizt mit pointierten Stellungnahmen immer wieder den Medienbetrieb an. Weingart: "Gerade Physiker denken, dass ihre Daten eindeutig sind, und können sich nicht damit abfinden, wenn sie Interpretationen unterliegen." Und gerade Rahmstorf, der lauteste und öffentlichkeitswirksamste deutsche Klimaforscher, könne nicht damit umgehen, wie die wissenschaftlichen Daten in der öffentlichen Diskussion unter nicht wissenschaftlichen Spielregeln benutzt werden.

Rahmstorf, Berater der Bundesregierung und Mitautor des IPCC-Berichts, hat immer wieder Forscherkollegen und Journalisten heftig angegriffen. Aber: "Er hat damit der Sache keinen Dienst erwiesen", sagt Weingart. Er sieht Rahmstorf und das PIK in einem Kampf um die Deutungshoheit in der Klimadebatte: "Im Moment diskutieren wir die Frage, ob wir verstärkt auf Anpassung an den Klimawandel setzen, was ich als Sozialwissenschaftler für den besseren Weg halte", so Weingart. Das sei nicht das "Geschäft der Physiker", weshalb diese fast "eifersüchtig" die Verlagerung der Klimadebatte betrachteten. Weingart ist kein Skeptiker. Er gehört nicht zu denen, die der Mehrheit der Klimaforscher grundsätzlich widersprechen. Er weiß, dass "großflächige Verhaltensänderungen" nötig sind, um Klimaänderungen zu begegnen. Dennoch kritisiert er die, die das unablässig predigen: "Wir erleben eine Trivialisierung." Moralische Vorhaltungen wegen Billigfliegerei oder Kampagnen wie "Biertrinken für den Regenwald" würden dem großen Thema nicht gerecht.

Nachdem Rahmstorf im Feuilleton der FAZ einen Angriff gegen Wissenschaftler und Journalisten führte und ihnen Fälschungen und Irreführung der Öffentlichkeit vorwarf, eskalierte der Streit zwischen dem Klimaforscher und den wenigen, die von den als sicher geltenden Thesen der Wissenschaftsgemeinde abrücken. Einige von ihnen formulieren in der Tat Positionen, die selbst Außenseiter in Forscherkreisen nicht mehr vertreten. Andere, wie Buchautor und WELT-Kolumnist Dirk Maxeiner, haben es eher auf Begleitthemen der Klimadebatte, wie die Mechanik öffentlicher Hysterie, abgesehen. So haben sich Rahmstorf und Maxeiner zu Antipoden in der Klimade-batte entwickelt. Der Mahner Rahmstorf provoziert den Kritiker Maxeiner, der wiederum Rahmstorf ...

Hans von Storch, Professor für Meteorologie der Universität Hamburg und Leiter des Instituts für Küstenforschung in Geesthacht, kritisiert ausdrücklich nicht den Forscher Rahmstorf, sondern den Aktivisten in ihm, der "Sanktionen" gegen Klimasünder fordert oder fabuliert, dass Kinder und Enkel einen "hohen Preis" bezahlen könnten, wenn den Kritikern nicht das Wort entzogen würde. Von Storch: "Damit ist Rahmstorf außerhalb der Wissenschaft und versteckt sich aber hinter der Seriosität eines Wissenschaftlers." Auch Kritiker Maxeiner bekommt einen mit: "Im Sinne der Debatte über Strategien gegen den Klimawandel sollten beide Extrempositionen, die von Rahmstorf und Maxeiner, wegfallen. Das Problem mit den Skeptikern legte sich, und Rahmstorf hat ihnen eine neue Bühne gegeben", so von Storch. Der Gescholtene erwidert, dass von Storch die Reihenfolge verkehre: "Mein Artikel reagiert ja erst auf eine Welle von Skeptikerberichten in den Medien", sagt Rahmstorf.

Keine wissenschaftliche Arbeit hat den Einfluss der Kritiker, die von Rahmstorf auch schon mal in Analogie zum Holocaustleugner als "Klimaleugner" bezeichnet werden, auf die öffentliche Meinung untersucht. Am PIK fürchtet man dennoch, dass die Arbeit des Hauses untergraben würde, ja sogar, dass wichtige gesellschaftliche Entscheidungen zur Eindämmung des Klimawandels verhindert würden. Rahmstorf: "Im Bekanntenkreis merke ich, dass diese Thesen weit verbreitet sind."

Von Storch übt mit Nico Stehr, der Inhaber des Karl-Mannheim-Lehrstuhls für Kulturwissenschaften an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen ist, methodische Kritik am PIK: "Dort sieht man fast nur den Faktor Klima." Fast alle Szenarien, fast alle Prognosen und die Handlungsempfehlungen basierten darauf. Dabei ist das PIK ein interdisziplinäres Institut. Ökonomen, Soziologen und Klimatologen aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Bereichen arbeiten dort. Darauf verweist auch Rahmstorf. Doch von Storch geht weiter: Alle diese wissenschaftlichen Teilbereiche würden fast immer auf den Faktor Klima heruntergebrochen: "Die Kollegen bedienen damit den in der Gesellschaft immer noch virulenten Klimadeterminismus" - ein seit Jahrzehnten überholtes wissenschaftliches Denkmodell. Kernaussage: Der Mensch und ganze Kulturen werden vom Klima geformt. Der Ansatz ist deshalb zusammen mit anderen deterministischen Erklärungen gesellschaftlicher Veränderungen obsolet, weil er die Komplexität sozialen Wandels verharmlost und ökonomische, politische, kulturelle und psychologische Prozesse außen vor lässt. Von Storch sieht diesen Wissenschaftsdinosaurier quasi durch die Hintertür in Potsdam wieder reanimiert. Ottmar Edenhofer ist Chefökonom des PIK. Er kennt den Vorwurf: "Klimadeterminismus spielt bei uns so gut wie keine Rolle."

Die Messer für die nächsten Runden dürften derweil schon gewetzt werden. Der dänische Statistikprofessor Bjørn Lomborg, der bereits mit "Apocalypse No" gegen den Klimastrich bürstete, hat jetzt ein weiteres Buch veröffentlicht. Es gebe Wichtigeres als den Klimawandel, sagt der nordische Gelehrte und dürfte Rahmstorf damit reizen. Mit den Sitten der Klimaforscher ist Lomborg schon vertraut. Der IPCC-Chef Rajendra K. Pachauri verglich ihn einst mit Adolf Hitler.

Die Welt, 9. Oktober 2007

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Mittwoch, 12. September 2007

Die rabiaten Methoden des Klimaforschers Rahmstorf

Sonntag, 2. September 2007

Sehnsucht nach Jubelberichten


Für ARD und ZDF hat es sich bislang in punkto Quote nicht gelohnt, den Tour-Schwerpunkt auf die Doping-Berichterstattung zu setzen. Viele Zuschauer sind genervt und zappen weg. Sie vermissen anscheinend die glorifizierenden Berichte aus der guten, alten Zeit.

"Tour bei der ARD zu sehen ist wie eine Fußballübertragung mit Ehefrau, die die ganze Zeit nur darüber philosophiert, wie primitiv viele Fußballer sind." Das sagt "supertester". Der ist Teilnehmer des Internetforums der Radsport-Zeitschrift "TOUR". Die Berichterstattung vom größten und bekanntesten Radrennen der Welt wird heiß diskutiert. Tenor: Die öffentlich-rechtlichen Sender, vor allem die ARD, vermiesen einem die Lust am Zusehen.

Das ist das Dilemma der ARD-Verantwortlichen. Nachdem der eigene Laden zur Blütezeit des Radsports nicht nur als Berichterstatter vom damals gar nicht so schmuddeligen Radsportzirkus, sondern sogar als Sponsor des Telekom-Rennstalls in Erscheinung trat, soll nun besonders distanziert und damit aufklärend berichtet werden. Die Tour 2007 wird genutzt, um zu zeigen, dass Radsportberichterstattung in der ARD wieder seriös ist; das weit weniger belastete ZDF verzichtet auf den geständigen Dopingsünder Rolf Aldag als Co-Kommentator.

Denn nicht nur die Sportler gerieten in der näheren Vergangenheit in Verruf. Die Fälle der ARD-Journalisten Jürgen Emig und Wilfried Mohren, die bei Radsport-Übertragungen häufig selbst am Mikro waren, liegen immer noch schwer im Magen. Gegen beide gibt es wegen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Sportereignissen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen.

Dagegen wirken die Vergehen Hagen Boßdorfs wie eine Lappalie. Der ARD-Sportkoordinator und Fast-Sportchef beim NDR half Jan Ullrich beim Verfassen seiner Biografie, für die Deutsche Telekom moderierte er Veranstaltungen. Das war die Zeit, in der er mit der ARD den Doping-Experten Werner Franke verklagte, weil der den Sender als Komplizen im "Dopingsumpf" Radsport bezeichnete.

So wird die Tour 2007 zum kathartischen Großereignis. Der Sport demonstriert mit Selbstverpflichtungen, die drakonische Strafen für Dopingsünder vorsehen, dass nun aber auch wirklich alles sauber ist. Und das, nachdem doch schon die vormaligen Frankreichrundfahrten die jeweils saubersten aller Zeiten gewesen sein sollten. Und die ARD demonstriert, dass sie auch im Sportjournalismus die Spielregeln einhält. Emig, Mohren und Boßdorf sind nicht mehr in Diensten der Anstalt, und Urgestein Herbert Watterott hat seine Kommentatorenkarriere beendet - ohne Skandal.

So viel Reinlichkeit kann der geneigte Radsportfan offenbar nicht ertragen. Bei der ARD laufen die Zuschauer Sturm. Telefonisch hätten sich nach dem Prolog am Samstag viele beschwert, dass in jedem zweiten Satz das Wort "Doping" gefallen sei, erklärt die ARD per Pressemitteilung. In Internetforen fragen sich die Nutzer, warum das Rennen fast keine Rolle spielt und was der moralisierende Unterton der Reporter soll: "Heute habe ich mal auf ARD geschaut, bis gerade eben. Das ist ja echt krass! Da könnte man fast den Eindruck haben, die wollen den Sport kaputt berichten", sagt Nutzer "olemax" im "TOUR"-Forum.

Nach desaströsen Zahlen beim Prolog haben sich die Zuschauerwerte immerhin erholt. Die ARD hat auf die heftige Kritik an der Samstag-Präsentation reagiert. Die zweite Etappe am Montag sahen im Schnitt 1,2 Millionen Zuschauer, was einem Anteil von 10,1 Prozent entspricht. Das ist nur leicht weniger als in den Vorjahren. "Wir haben uns auf ein eher journalistisches Konzept verständigt", sagt Wolf-Dieter Ganz, Sprecher des ARD-Tour-Teams, zu SPIEGEL ONLINE. Es sei für die Kommentatoren ein "schwieriges Ding", die Faszination Radsport zu transportieren und dabei das Thema Doping nicht zu vergessen. "Dass man dabei keinen Spaß hat, ist klar." Viele Zuschauer sehen das auch so.

Beim Prolog am für die meisten arbeitsfreien Samstag waren keine zehn Prozent, umgerechnet 1,3 Millionen Zuschauer, dabei, während die Kommentatoren Florian Nass und Florian Kurz fast nichts zum Rennverlauf, aber eine Menge zum Doping sagten. Streckenweise wirkte die Übertragung wie eine Abrechnung mit Sportlern, die Interviews verweigerten oder dünnhäutig auf Dopingnachfragen reagierten - die derzeit natürlich nicht selten sind. Das fulminante Zeitfahren, das Andreas Klöden hinlegte, der sich bis zu seiner gestrigen Entschuldigung wenig geschickt vor den Mikros anstellte, wurde wortwörtlich "zur Kenntnis" genommen. Sein Team Astana steht bei der ARD unter Generalverdacht, wenn auch die Moderatoren das Gegenteil beteuern. Das ZDF präsentierte nach miserabler Auftaktquote von 820.000 Zuschauern (Sonntag) bei der gestrigen dritten Etappe mit immerhin 1,43 Millionen Menschen bessere Zahlen.

Eurosport vermeldet hingegen eine Verdreifachung der Zuschauer auf rund 340.000. Beim Spartensender sitzen Karsten Migels, Ulli Jansch und Andreas Schulz und machen das, was der Zuschauer offenbar erwartet, wenn er den Fernseher einschaltet um ein Radrennen zu sehen: Sie kommentieren das Geschehen auf der Straße.

Des Dopingarztes Eufemanio Fuentes' Frankenstein-Praxis und der Generalverdacht über dem Radsport werden zwar manchmal offensiv gemieden, indem man von "diesem unerfreulichen Thema" oder von "medizinischen Möglichkeiten" spricht, aber heute soll immerhin der im SPIEGEL umfassend Geständige Jörg Jaksche Studiogast sein. Dessen spanischer Kollege und Tour-Topfavorit Alejandro Valverde wird bisweilen "Piti" genannt. So heißt dessen Hund, und auf einer der Fuentes-Listen mit den Blutempfängern und -lieferanten steht "Valv.(Piti)". Valverdes Start bei der Tour ist deswegen hoch umstritten - wie auch die Übertragungen.


Spiegel Online, 11. Juli 2007

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