Montag, 13. Juli 2009

Islamistische Propaganda aus der norddeutschen Provinz

Mit der inoffiziellen iranischen Botschaft in Deutschland, Sitz ist Delmenhorst, habe ich mich in der Sonntagsausgabe des Weser-Kurier ausführlich beschäftigt. Hier ist das Stück: Weser-Kurier
12. Juli 2009

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Mittwoch, 17. Juni 2009

Sudel-Ede lebt!

Allerdings ist die Reinkarnation Karl-Eduard von Schnitzlers nicht in Diensten Kubas oder Nordkoreas unterwegs. Der ehemalige Chefkommentator des DDR-Fernsehens trommelt nun von Delmenhorst aus für die Mullahs in Teheran. Kostprobe (Rechtschreibung vom Original übernommen):

Erst wird völlig frei erfunden, dass Musawi ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Amtsinhaber hätte, dann wird sein Sieg verkündet, noch bevor auch nur ein einziges Ergebnis vorliegt, und dann ist man natürlich überrascht, wenn es anders ausgeht! Wer aber intensiven Kontakt mit der revolutionären Bevölkerung des Iran hatte, konnte nicht überrascht sein. Die Liebe zu dem System ist derart ausgeprägt, dass Leute die größten Schwierigkeiten auf sich genommen haben, und mitwählen zu können. Dem Schreiber dieser Zeilen ist beispielsweise eine fast 70 Jahre alte deutsche Glaubenschwester bekannt, die inzwischen die iranische Staatsbürgerschaft hat und daher wählen kann, die einen schwerkranken Verwandten in Deutschland besuchen gekommen ist und diesen kurzzeitig verlassen musste, nur um bei den Wahlen im Iran sein zu können! Das Liebe erfüllte Volk im Iran ist bereit, jedes Opfer zu bringen, um weiterhin frei von westlichem Hegemonialwahn zu sein und nicht von Puppen und Schickimicki Westfans beherrscht zu werden. Quelle

So absurd geht es hier, hier und hier weiter.

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Mittwoch, 8. April 2009

Gleichberechtigung auf Islamistisch

Die Typen, die so einen Stuss verzapfen, sprechen immer wieder davon (hier zum Beispiel), dass sie sich im Nahen Osten doch nur einen Staat wünschten, in dem Juden, Christen und Muslime gleichberechtigt leben. Wie sich diese Gleichberechtigung für Satiriker, moderne Frauen oder Homosexuelle anfühlen würde, kann man ahnen.

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Mittwoch, 14. Januar 2009

Rechte, Linke, Islamisten – Hauptsache gegen Israel

Ob extrem rechts oder links – auf deutschen Internetseiten wird gegen Israel gehetzt. Experten fürchten, der Hass auf Israel werde zunehmend zum Schmelztiegel extremistischer Gruppierungen. Zum ersten Mal gibt es auch Überschneidungen der extremen Ränder des deutschen Politikspektrums mit radikalen Muslimen.
Die Welt, 14. Januar 2009

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Donnerstag, 1. Mai 2008

Wie sag ich's dem Islam?

Aufregung bei der Deutschen Welle. Nachdem die Redaktion des DW-Portals „Qantara“ einen Text des Journalisten Igal Avidan mit einer antisemitischen Begründung ablehnte, lässt der Intendant die Seite nach kritischen Inhalten durchforsten. Dass der Chefkorrespondent seit Jahren mit der iranischen Auslandspropaganda zusammenarbeitet, findet der Sender nicht problematisch. Jetzt schaltet sich die Politik ein.

Sie soll die weltweite Verbindung nach Deutschland sein. In 30 Sprachen sendet die Deutsche Welle (DW) rund um den Globus. Es geht um Kultur, Tagespolitik und die Bundesliga. Wer germanophil ist oder als Deutscher im Ausland Heimweh hat, ist beim Auslandssender richtig. Vor ein paar Jahren hat die DW eine besondere Verbindung in die islamische Welt aufgebaut. Nach den Anschlägen vom 11. September gründete sie ein Online-Portal namens Qantara, was arabisch ist und Brücke heißt. Zweck: Dialog. Neben der DW sind das Goethe-Institut, das Institut für Auslandsbeziehungen und die Bundeszentrale für politische Bildung Träger.

Jetzt hat die Vier-Mann-Redaktion einen Skandal produziert. Sie lehnte einen Text des israelisch-deutschen Journalisten Igal Avidan mit einer verquasten und antisemitischen Begründung ab. Avidan porträtierte den aktuellen Preisträger der Buber-Rosenzweig-Medaille, Stef Wertheimer. Replik der Redaktion: Man werde den Text nicht bringen, „weil es ein jüdischer Preis ist, der an einen jüdischen Israeli vergeben wurde, der sich offen zum Zionismus bekennt, aber für sein Engagement für israelische Palästinenser ausgezeichnet wurde“. Man könne die Botschaft „herausdestillieren“, dass sich Zionismus und das Engagement für Palästinenser miteinander vereinbaren ließen. Igal Avidan: „Ich war schockiert über die Klarheit dieser Mail.“ Der Redakteur hat Avidan jetzt geschrieben, dass er sich nur missverständlich ausgedrückt habe.
Der Vorfall in der kleinen DW-Redaktion hat auch den Intendanten der Deutschen Welle, Erik Bettermann, erreicht. „Wir entschuldigen uns für dieses Schreiben“, lässt er seinen Büroleiter, Ansgar Burghof, ausrichten. Man nehme den Vorfall auch zum Anlass, jetzt genauer hinzusehen und die Inhalte von Qantara zu durchleuchten. Mittlerweile ist Avidans Text erschienen.

Womöglich muss der Chef auch in der Kernredaktion genauer hinsehen. Seit Langem gibt der Chefkorrespondent der Deutschen Welle, Peter Philipp, dem deutschen Teil des iranischen Auslandssenders IRIB monatlich ausführliche Interviews. Das findet man beim der Deutschen Welle bisher nicht problematisch. Sprecher Berthold Stevens: „Die Deutsche Welle ist der Überzeugung, dass sie jedes Forum prüfen und gegebenenfalls nutzen sollte, um deutsche und europäische Positionen zu weltpolitischen Ereignissen, Krisen und Konflikten durch DW-Journalisten zu platzieren.“ Der Dialog mit Menschen in islamischen Ländern sei ein Schwerpunkt der Deutschen Welle.

„Reichlich naiv“ findet das der Medienwissenschaftler Norbert Bolz von der TU Berlin. Der Auslandssender des Iran sei ein Propagandainstrument des Regimes. „Hier lässt sich die Deutsche Welle als Feigenblatt missbrauchen“, so Bolz. Auch zum Programmschwerpunkt gibt es klare Worte: „Dieser Dialog ist einseitig.“ Die Gefahr sei groß, dass man sich zum Werkzeug machen lasse. „Nach der falschen Prämisse, dass alle Probleme durch Dialog zu lösen seien, gibt es keine Terroregime mehr, mit denen zu reden sich verbietet.“ Aus Sicht des Iran sei eine solche Partnerschaft mit der Deutschen Welle aber nützlich: „Man kann sich so gesprächsbereit zeigen, ohne dass es an den eigenen militanten Kern geht. Es gibt keinen Terror mehr auf der Welt, der nicht im weißen Hemd daher kommt.“ Diskurs sei das Alibi des Terrors.

Philipp redet dem IRIB-Interviewer zwar nicht nach dem Munde, doch wenn er beispielsweise sagt, dass der Iran mit dem Irak einen friedlichen Nachbarn haben wolle und deswegen nicht an den Unruhen dort beteiligt sei, fragt man sich, woher er diese Gewissheit nimmt. Von einem „unfreundlichen Akt gegenüber Iran“ spricht er, wenn es um die Sanktionen des UN-Sicherheitsrats geht. Kritik am Atomprogramm oder generell an der iranischen Führung hört man von Philipp nicht. Der IRIB-Moderator und er sind ein eingespieltes Team. Diskussionen und harte Auseinandersetzungen kommen nicht auf.

Peter Philipp auf Nachfrage: „Wenn ich das, was ich hier sage, auch im Iran sagen kann, und das ist die Spielregel, sehe ich darin kein Problem.“ Und so sieht er auch nicht das Problem, dass israelkritische Positionen eines deutschen Journalisten eines staatlichen Senders im iranischen Programm eine ganz andere Funktion haben als im Programm der deutschen Welle. So kann Philipp auch nicht nachvollziehen, was Bolz mit dem Feigenblatt meint: „Man soll die Dinge nehmen, wie sie sind, und nicht in irgendeinen Kontext stellen.“ Außerdem gebe es in Deutschland sowieso nur einige Fanatiker, die das deutsche Programm von IRIB hörten. Warum er von den Programmmachern so gerne vernommen wird, fragt er sich offenbar nicht.

Jetzt stellt auch der Vorsitzende des Kultur- und Medienausschuss im Bundestag, Hans-Joachim Otto, den Dialogkurs der Deutschen Welle in Frage: „Ich glaube nicht, dass die Strategie aufgeht“, sagt der FDP-Politiker zum arabischen Programm der Deutschen Welle. „Glaubt wirklich jemand, dass die Araber auf die Deutsche Welle gewartet hätten?“ Vor dem Hintergrund der Nahost-Dauerkrise spricht er auch von einem „Zielkonflikt“. Man müsse ja nicht nur Schwerpunkte setzen, sondern auch bestimmte Botschaften bringen. Deswegen befürchtet Otto israelfeindliche Positionen im arabischen Programm des deutschen Senders. „Bisher wissen wir nicht, was die Deutsche Welle im arabischen Raum veranstaltet.“ Auch die Zusammenarbeit des Chefkorrespondenten mit dem Iran sieht Otto kritisch: „Man muss prüfen, ob das im Sendeauftrag der DW liegt.“ Prinzipiell sei aber jede Form von Dialog auch eine Aufwertung eines diktatorischen Regimes.

Ähnlich sieht das der außenpolitische Sprecher der Union, Eckart von Klaeden. Ein Hindernis im Umgang mit dem Iran sei dessen Propaganda, die keine unmanipulierte Darstellung der Positionen der Vereinten Nationen zulasse: „Dialog ist nur dann sinnvoll, wenn er den Standpunkt der Bundesrepublik Deutschland, der Verbündeten und der Vereinten Nationen vollständig, klar und unmissverständlich zum Ausdruck bringt. Deswegen fordert von Klaeden eine „faire Untersuchung“ der Vorgänge: „Von einem Redakteur des deutschen Auslandsfunks muss man erwarten, dass er Positionen Deutschlands ungeschmälert darstellt.“ Dazu gehöre, dass er die „antisemitischen Ausfälle“ des iranischen Präsidenten oder dessen Holocaustleugnerkonferenz für „unakzeptabel“ erkläre.

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Montag, 1. Oktober 2007

Islamratsmitglied hielt antisemitische Rede

Spiegel Online
und die Reaktion einen Tag drauf:
Bakr Rieger tritt zurück

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Samstag, 1. September 2007

Des Teufels Rabbi

Wenn Juden gegen Juden hetzen, freut sich das norddeutsche Internetportal «Muslim-Markt»

Feinsinnige Unterscheidungen hat Yavuz Özoguz auf dem Kasten. Sein Muslim-Markt, ein islamistisches Internetportal, unterscheidet zum Beispiel genau zwischen guten Juden und bösen Juden. Gute Juden sind die, die in ihrem Urteil über andere Juden nicht zimperlich sind, schlechte Juden sind hingegen fast alle – nämlich Zionisten, Israelis und sämtliche Diaspora-Juden, die nicht ihre Stimme gegen den «Pseudostaat» Israel erheben. Und was ist Özoguz nach eigenen Bekunden nicht? Richtig: ein Antisemit. Und um das zu demonstrieren, werden alle paar Wochen im Forum seines extremistischen Web-Angebots ‚User’ rausgeschmissen, die tatsächlich antisemitische ‚Postings’ verfasst haben, die sich aber nur in Nuancen von dem unterscheiden, was der Forenchef selbst verzapft.

Özoguz hat auch einen Lieblingsjuden. Das ist Moishe Arye Friedman. Eigentlich würde man dem nur attestieren, nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben. Doch mittlerweile ist der selbsternannte Oberrabbiner einer antizionistischen orthodoxen Gemeinde Wiens mehr als ein Ärgernis für die dortige Israelitische Kultusgemeinde. Der Mann ohne Rabbinerdiplom, dessen Gemeinde aus ihm selbst besteht, hat mit seiner Reise zu einem weiteren Judenfreund à la Özoguz, nämlich Irans Präsidenten Mahmud Ahmadinejad (den Özoguz verehrt), nachhaltig Unruhe gestiftet.

Der Teheraner Auftritt Friedmans, der der iranischen Holocaust-Leugner-Konferenz ein koscheres Geschmäckle geben sollte, hatte für ihn den Rausschmiss aus der Wiener Kultusgemeinde zur Folge. Wegen «grob schädigenden Verhaltens» seiner Kontakte zu «geschichtsrevisionistischen, antisemitischen Kreisen» und «einschlägiger Äußerungen», wurde Friedman an die Luft gesetzt. Doch damit war das Thema für beide Seiten immer noch nicht beendet. Nun geht es um die Kinder.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Anlässlich der Iran-Eskapade ihres Mannes, verließ dessen Gattin Lea Rosenzweig ihn und eskapierte ebenfalls – in die Vereinigten Staaten. Vier schulpflichtige Kinder, die die Talmud-Thora-Schule Machsike-Hadass besuchten, nahm sie um die Jahreswende herum gleich mit. Vier Wochen dauerte es, bis der emsig um die Welt jettende Rabbinerdarsteller seine Familie wieder eingefangen hatte und Frau und Kinder wieder in Wien waren. Dass Zwang und Druck auf die Gattin nötig waren, weiß der Gassenklatsch rund um die Gemeinde zu berichten. Die Familie steht wegen ihres skurrilen Oberhauptes immer wieder im Mittelpunkt der Gerüchteküche. Moishe Friedman hat diverse Gläubiger. Zuletzt konnte der Privatkonkurs des verkrachten Mannes nicht abgewickelt werden – niemand wollte die Kosten eines solchen Verfahrens tragen.

Die Schule, die zur Gemeinde gehört, jedoch – wie bei Privatschulen üblich – vom Staat gefördert wird, hatte mittlerweile die Kinder vom Unterricht ausgeschlossen. Hier ging es neben Friedmans Eskapaden, die den Schulfrieden gestört hätten auch um rund 20.000 Euro säumiges Schulgeld, das sich im Laufe der Jahre ansammelte. Per Einstweiliger Verfügung versuchte Friedman nun seine Kinder wieder auf die Schule der Gemeinde zu bekommen. In erster Instanz ging er mit dem Ansinnen jedoch baden. In zweiter Instanz stellten sich die Richter des Oberlandesgerichts Wien jedoch auf seine Seite. Mit dem Verweis auf «Sippenhaftung» wurde die Schule verdonnert, die Friedman-Kinder wieder aufzunehmen. Dagegen argumentierte die Schule, dass sie eine Privatschule sei und Eltern wie Schüler einen bestimmten persönlichen Hintergrund als Voraussetzung zum Unterricht mitzubringen hätten.

Auch Offizielle der Gemeinde in Wien bestreiten nicht, dass sich die Schule über das Urteil des OLG hinwegsetze. Seitdem verhängen Gerichte Beugestrafen gegen die Schule, die mit entsprechenden Gegenklagen beantwortet werden. Auch beim Europäischen Gerichtshof sind Klagen der Schule in der Sache anhängig. Rechtskräftig sind die Urteile gegen die Schule noch nicht und genau deswegen wird nicht vollstreckt – alles läuft also seinen normalen juristischen Gang.

Aber die Sache ist dennoch eine Steilvorlage für jeden Antisemiten. Man lasse ein paar Details weg und schon lässt sich erzählen, dass die Juden täten, was sie wollten. Da es in diesem Falle auch noch irgendwie um Israel geht, ist alles da, was der moderne Antisemit braucht.

An der Stelle kommt wieder Özoguz ins Spiel, den man normalerweise ignorieren sollte, der aber wie aus dem Lehrbuch zeigt, wie islamischer Antisemitismus heute funktioniert. Wie zum Beispiel deutsche umlackierte Antizionisten, so hat auch die islamische Variante der Judenfeindschaft ihre eigenen Codes. Deswegen lohnt es sich, die Geschichte des Muslim-Markts und der Familie Friedman/Rosenzweig unter die Lupe zu nehmen.

Seinen Lieblingsjuden brachte der in Delmenhorst bei Bremen lebende Özoguz schon im vergangenen Jahr in Stellung. Wie ein lila Kaninchen kündigte der Muslim-Markt einen Rabbiner als Sprecher auf der Kundgebung anlässlich des «Al-Quds-Tages» in Berlin an. Der «Al-Quds-Tag» ist eine Erfindung des toten iranischen Religionsdiktators Khomeini. An jedem letzten Freitag des Ramadans sollen Muslime ihrem eingeimpften Hass auf Israel freien Lauf lassen – 2006 dann sogar mit jüdischer Beteiligung.

Der Muslim-Markt wird seit Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Dass Özoguz mit dem theokratischen Regierungssystem des Iran sympathisiere, schreiben die Verfassungsschützer in ihrer jüngsten Ausgabe des Behördenberichts. Er agitiere in diesem Sinne, heißt es weiter. Ein Jahr zuvor war von einer «engen Bindung» Özoguz’ an eben jenes System die Rede. Er tritt auch als Referent auf Veranstaltungen der iranischen Botschaft auf. Der Nachweis direkter finanzieller Protegierung durch die Mullahs ist bisher allerdings noch nicht gelungen. Wohl aber heißt es nicht nur hinter vorgehaltener Hand, dass der Muslim-Markt das bedeutendste schiitische Sprachrohr für Hetze im Sinne der iranischen Führung ist.


Eine von Özoguz’ Kernthesen ist nicht sonderlich originell aber bei Antisemiten stets beliebt: Kritik an Israel sei tabu, wer sie übe würde mundtot gemacht. Zwar ist Özoguz mit seinem obskuren Muslim-Markt seit Jahren auf Sendung, doch diesen Widerspruch entdecken auch andere gestandene Antisemiten selten. Und so erzählt der Muslim-Markt seit Friedmans Auftritt in Berlin, wie hart die jüdische Gemeinschaft mit dem Wirrkopf umspringt. Dass allerdings schon die Abkehr vom Islam in vielen arabischen Staaten den Tod zur Folge haben kann und im Iran Oppositionelle derzeit reihenweise aufgeknüpft werden, verschweigt Özoguz freilich.

Höhepunkt der vom Muslim-Markt inszenierten Friedman-Rosenzweig-Klamotte ist jetzt ein Interview mit Lea Rosenzweig, in dem diese sich darüber beklagt, dass der Holocaust zu einer «Ersatzreligion» würde und Israel entscheide, wer auf eine österreichische Schule gehen dürfe bzw. Israel bestimme, welche «Gerichtsbeschlüsse in Österreich» umgesetzt würden. Und dann wird es grundsätzlich: Israel sei ein mit Waffen errichteter Staat, der ein großer Aufstand gegen den Willen Gottes sei. Die Familie bete drei Mal täglich für seine «sofortige Überwindung».

Und wo man gerade dabei ist, kann man auch noch die Strafen «bestimmter Kreise» ansprechen, die auf die warteten, die sich trauten, derartige Wahrheiten auszusprechen. Fazit: In Österreich stünden Zionisten über dem Gesetz und das dürfe nicht sein. Wäre Özoguz nicht konsequent lustfeindlich, müsste er in einen Erregungszustand geraten. «Muslim-Markt ruft zur Unterstützung einer Jüdin» auf, heißt es dann im Forum des Extremisten-Portals. Mittlerweile ist der Aufruf verschwunden, Informationen zum Ausgang der Spendensammlung unter den islamischen Brüdern und Schwestern sucht man leider vergeblich.

Matthias Küntzel ist einer der profiliertesten deutschsprachigen Forscher zum islamischen Antisemitismus. Er sieht im islamischen Antisemitismus ein Argumentationsmotiv, das in Deutschland zwar bestens bekannt aber mittlerweile spezifisch iranisch sei: «Iraner benutzen den Begriff ‚Zionisten’ wie Hitler den Begriff ‚Jude’ als die Instanz, die für alles Böse in der Welt verantwortlich sein soll.» Der Wiener Möchtegern-Rabbi habe visuell eine wichtige Rolle bei Ahmadinejads Holocaustkonferenz gespielt. Die Bilder, bei denen sich fromme Muslime und fromm aussehende Juden die Hände schütteln, signalisieren, dass endlich Friede herrschen könnte, wenn doch nur Israel beseitigt wäre. Ganz so propagiert es auch Özoguz. Und deswegen ist Friedman so nützlich für den speziellen Judenfreund aus Norddeutschland.

Erschienen in der Jüdischen Zeitung, Ausgabe September 2007

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Freitag, 31. August 2007

Unheilige Allianzen

Zwar überzeugen nicht alle Schlussfolgerungen, doch Udo Ulfkottes Buch "Heiliger Krieg in Europa" zeigt, dass zum Islamismus immer Antisemitismus gehörte.

Eines steht schon jetzt fest: Für die einen wird es sich um ein „fremdenfeindliches“ gar „rassistisches“ Buch handeln, die anderen werden Udo Ulfkottes „Heiliger Krieg in Europa“ für Aufklärungsliteratur im besten Sinne der Demokratie und des Pluralismus halten. Der Eichborn-Verlag stellt sich schon jetzt auf juristische Kämpfe ein – man hat mit dem Autor schon mal ein paar Monate im Schützengraben gelegen. Das Thema damals wie heute: Islamisten in Deutschland.

Während sich Ulfkotte 2003 in „Der Krieg in deutschen Städten“ generell mit seinem Steckenpferd auseinandersetzte, wobei er sich streckenweise in Details verzettelte, nimmt er nun die Muslimbruderschaft und ihre Ableger ins Visier. Die Verdichtung tut gut. „Heiliger Krieg in Europa“ ist fundierter und stringenter als der Vorgänger.

Und so liest man bei Ulfkotte Dinge, die Themeninsider zwar kennen, die aber in der Debatte um den Islamismus fast keine Rolle spielen. Zum Beispiel von der ideologische Nähe der Muslimbruderschaft zum Nationalsozialismus. Wenn die muslimische Welt mit antisemitischen Darstellungen auf Mohammed-Karikaturen im christlichen Dänemark reagiert, ist das eben kein Zufall und Ulfkotte erklärt, warum das so ist. Er beschreibt das ideologische Gerüst der Muslimbruderschaft detailliert und dabei die zentrale Rolle des Antisemitismus. Damit dürfte „Heiliger Krieg in Europa“ das erste Buch mit Bestsellererwartungen sein, das dieses Kapitel des Islamismus darstellt. Dass die Muslimbrüder kurz nach Ihrer Gründung in Ägypten 1928 von den Nazis in den 30ern finanzielle Unterstützung erhielten, erzählt Ulfkotte ebenso, wie die Geschichte Amin al-Husseinis, des Muftis von Jerusalem, der persönlicher Gast Hitlers war. Eine Pogromstimmung gegen die Juden im arabischen Raum gab es bereits vor der Gründung Israels; getragen von den Muslimbrüdern, inspiriert von den Nazis. Das alles schreibt Ulfkotte auf und verbindet so immer wieder die Untaten der heutigen Generation der Gotteskrieger mit der seit Gründung der Organisation fixierten Agenda.

„Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht“: Das ist der Untertitel des Buchs und hier wird es an wenigen Punkten auch mal zäh, wenn der Autor sich etwa wieder im Klein-Klein der vielen islamischen Vereine und Verbände verirrt, die nebeneinander, miteinander – aber immer für ein Ziel – angeblich die westliche Gesellschaft und ihre Werte sukzessive umkrempeln wollten. Das war schon beim ersten Buch im Jahre 2003 das Problem. Mal überzeugt Ulfkottes Beweisführung, wenn er sich etwa mit der Terrorfinanzierung befasst und nahezu minutiös das Handeln einzelner Akteure nachzeichnet, an anderer Stelle wirken seine Schlüsse nicht unbedingt zwingend.
Ulfkotte setzt Islamismus und Islam nicht gleich. Den „Euro-Islam“, ein Begriff des gerade in die Vereinigten Staaten emigrierenden Göttinger Politikwissenschaftlers Bassam Tibi (der auch das Vorwort zum Buch schrieb), sieht Ulfkotte jedoch (im Moment) nicht. Stattdessen nur die abgeschottete Variante, organisiert in Muslimbruderschaft-Filialen der Bundesrepublik. Ulfkotte beschreibt eine Muslimische Community, der kein republikanisches Bekenntnis abgefordert, die aber auch nicht gefördert wird. Er erklärt die Abschottung jedoch nur einseitig. Nichts ist zu lesen darüber, warum die freie demokratische Realität im Lande nicht automatisch eine höhere Anziehungskraft entwickelt als der fundamentalistische Glaube an den Koran.

Was bleibt ist eine düstere Perspektive. Man wähnt sich nach der Lektüre in einer von eloquenten Hasspredigern unterwanderten Gesellschaft, die ihre Grundfesten nicht verteidigen kann und will. Ob das Panikmache, Warnung oder eine adäquate Beschreibung der Situation ist, sei dahingestellt. Necla Kelek, Seyran Ates, Hirsi Ali und Henryk M. Broder beweisen, dass das Thema für Bestseller taugt und das widerspricht ihren Thesen von der wehrlosen oder wehrunwilligen Gesellschaft vielleicht sogar. Während Broder mit treffsicherer Polemik und beißend ätzender Aufklärung vorgeht, macht sich Ulfkotte anders verdient. Das Herausarbeiten der ideologischen Komponente und der fast leitmotivische Verweis darauf, dass die Kehreseite des Islamismus Antisemitismus heißt und eben nicht Antizionismus.


Udo Ulfkotte
Heiliger Krieg in Europa – Wie die radikale Muslimbruderschaft unsere Gesellschaft bedroht
Eichborn, März 2007, 304 Seiten, 19,90 Euro



Erschienen in der Jüdischen Zeitung (März 2007), der Rheinpfalz (22. Mai 2007) und im Weser Kurier (28. Februar 2007)

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